Ein Vergleich, der vielleicht verständlich macht, warum manche Männer (noch) nicht singen.
Oder reden. Oder fühlen.
Obwohl sie es wollen.
Ich bin mit Musik aufgewachsen.
Mein Vater saß am Klavier, ich stand daneben und sollte den Ton treffen. Immer wieder.
Bis ich ihn fand.
Ich habe gelernt zu hören. Zu singen. Instrumente zu spielen. Auf Bühnen zu stehen.
Für mich ist das:
normal.
Jetzt stell dir jemanden vor, der noch nie gesungen hat. Der beim ersten Ton unsicher ist, schief klingt und sich schämt.
So geht es vielen Männern mit ihren Gefühlen.
Sie hatten nie eine Bühne dafür.
Keine Anleitung.
Keinen Ton, den sie treffen durften.
Und wenn wir ihnen dann sagen:
„Rede doch mal über deine Gefühle!“
…ist das,
als würde ich jemandem nach einer Stunde Gesangsunterricht auf die Opernbühne drängen.
Die Erwartung ist verständlich.
Vor allem aus weiblicher Sicht.
Aber die Überforderung ist real.
Nicht, weil Männer dumm sind.
Sondern, weil sie’s nie gelernt haben.
Was sie brauchen, sind Räume – in denen niemand ruft:
„Jetzt sing doch mal!“
Sondern einer sagt:
„Ich bin hier. Wenn du so weit bist.“
Nicht jeder kann sofort singen.
Oder fühlen.
Aber viele würden gern.
Wenn sie wüssten, wie.
Wenn jemand bleibt.
Und nicht drängt.