Heute in der Spielstraße

Ich gehe zu Fuß, ein SUV kommt mir deutlich zu schnell
entgegen. Ich mache eine ruhige Geste mit der Hand: „Bitte langsamer.“
Er bremst, reißt die Tür auf, brüllt mich an, zeigt auf den
Boden, sagt, ich hätte „auf der Straße nichts verloren“ – und
nennt mich Arschloch.

Ich sage ruhig (obwohl mein Herz rast): Das ist eine
verkehrsberuhigte Zone. Fußgänger haben Vorrang.
Schrittgeschwindigkeit.
Er fährt wutentbrannt weiter.

Ich hab’ sein Kennzeichen leider nicht komplett behalten –
aber was hängen bleibt, ist dieser geballte Frust, diese
plötzliche Aggression, dieser blanke Hass.

Und ich frage mich:
Wann hat dieser Mann das letzte Mal geweint?
Wer hat ihn zuletzt umarmt – wirklich, liebevoll, ehrlich?
Wer hat ihm beigebracht, dass Wut keine Lösung ist und
andere kleinzumachen, kein Zeichen von Stärke?

Vielleicht hätte ihm jemand früher beibringen sollen, wie man
über Gefühle spricht. Vielleicht hätte ein Vater, der nicht
selbst emotional abstumpfen musste, ihm zeigen können, dass
Verletzlichkeit kein Makel ist.

Aber das ist das, was das Patriarchat oft hinterlässt:
Männer, die nie gelernt haben, anders mit Schmerz
umzugehen als mit Lautstärke.

Und nein – das lasse ich mir nicht gefallen.

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