
Wie das Foto zum Buchcover für „Raum für Männergefühle“ entstanden ist:
Januar 2022. Der Abgabetermin für den Fotowettbewerb der Ulmer Volkshochschule zum Thema „Mann, Frau, Divers“ stand vor der Tür. Zuerst kam mir der Flachwitz-Gedanke: Ich fotografiere ein befreundetes Paar im Taucheranzug. Allein die Vorstellung, dieses Bild einzuschicken, brachte mich vor lauter Lachen in den Keller. Der nächste Gedanke war konkreter: Anhand von einem Foto zeigen, dass Männer auch „weiche“ Gefühle haben.
Ich machte also ein Foto mit meinem Teddybär, den ich seit meinem Kleinkindalter habe. Ein Selbstporträt aus der Vogelperspektive. Das Dreibeinstativ befestigte ich mit einem Bein auf dem Fenstersims, das zweite Bein legte ich auf einem Regal ab – und das dritte Bein klebte ich mit GaffaTape an einem Pfosten fest, der in der Mitte des Zimmers stand. Das Kamerabild spiegelte ich auf dem Tablet – nun konnte ich mich sehen. Während die Kamera mit dem schweren 35-mm-Objektiv zwei Meter direkt über meinem Kopf hing, schaute ich auf das Tablet und richtete alles zurecht. Als Licht nahm ich ein auf 2700 K eingestelltes Nanlite.
Ich bin großer Fan von den Licht- und Schattenspielen Rembrandt’s und Caravaggio’s – was sich viel in meinen Fotoarbeiten widerspiegelt. Deshalb entschied ich mich dafür, nur dieses eine Licht zu verwenden, und drapierte es am Fenstersims, um sanften Mondlichteinfall in der Nacht zu simulieren. Mir war klar: Eine Darstellung von Männlichkeit in dieser Form ist nicht üblich. Und genau deshalb wollte ich es so machen. Denn mir geht das „hart, cool und lustig sein“ zu müssen in der Gesellschaft schon seit vielen Jahren richtig auf den Keks.
Das Foto bekam den Titel „Seelenöffner“. Ich hatte über 12 Stunden daran gearbeitet – und war noch nie so zufrieden mit einem fotografischen Ergebnis. Dass es dann mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde, war für mich eine besondere Ehre.
Das Bild habe ich nach der Ausstellung bewusst nicht veröffentlicht. Ich wollte es für etwas Besonderes aufsparen. Dass ich dann Jahre später ein Buch veröffentliche, wo dieses Foto so gut thematisch passt, schließt einen Kreis.
Und das fühlt sich jetzt richtig gut an.