Ich war eingeladen am 20. November 2025 bei 12min.me im Club Orange der Ulmer Volkshochschule über mein Buchthema zu sprechen. Das Format 12min.me gibt es in verschiedenen Städten und es läuft wie folgt ab: Jeder Vortragende kann 12 Minuten sein Thema vorstellen. Dann hat das Publikum 12 Minuten Zeit, Fragen zu stellen. Bei den Veranstaltungen gibt es immer drei Themen. Ich durfte zwischen Sebasian & Manuel Mikos (zwischen Wollen und Haben steht Machen) und Yusuf Onder (Manchmal führt der längere Weg weiter) sprechen. Danke an das Publikum für den herzlichen Austausch, sowie an Tim und Ana von 12min.me für die Einladung und die hervorragende Organisation.
Das Format hatte ich einige Wochen zuvor im Founders Space der HNU (Hochschule Neu-Ulm) als Zuhörer kennengelernt und kann es sehr empfehlen: Jeder Abend ist so abwechslungsreich, lehrreich und spannend.
Es geht um Leid, das viele Frauen erfahren.Weil körperliche und seelische Grenzen überschritten werden.
Somit geht es auch um uns Männer im Patriarchat.
Denn Gewalt ist oft das letzte Glied in einer langen Kette: Angestaute Gefühle. Keine Sprache dafür. Keine Erlaubnis, verletzlich zu sein. Kein Raum, keine Nähe, keine innere Heimat.
Wenn wir Männern keine Erlaubnis geben, weich zu sein, Wenn wir uns nicht gegenseitig Halt geben, Wenn wir Gefühle immer nur betäuben oder verdrängen – dann wird aus innerer Hilflosigkeit zu oft äußere Gewalt.
Lasst uns das ändern.
Männer, lasst uns anfangen. Nicht, weil es uns schwächer macht, sondern menschlicher. Mit ein bisschen mehr Achtsamkeit füreinander.
Mit weniger Härte, weniger Schweigen, weniger Alleinsein.
Für uns. Für die Frauen. Für eine Welt, in der Nähe nicht gefährlich ist.
Wie das Foto zum Buchcover für „Raum für Männergefühle“ entstanden ist:
Januar 2022. Der Abgabetermin für den Fotowettbewerb der Ulmer Volkshochschule zum Thema „Mann, Frau, Divers“ stand vor der Tür. Zuerst kam mir der Flachwitz-Gedanke: Ich fotografiere ein befreundetes Paar im Taucheranzug. Allein die Vorstellung, dieses Bild einzuschicken, brachte mich vor lauter Lachen in den Keller. Der nächste Gedanke war konkreter: Anhand von einem Foto zeigen, dass Männer auch „weiche“ Gefühle haben.
Ich machte also ein Foto mit meinem Teddybär, den ich seit meinem Kleinkindalter habe. Ein Selbstporträt aus der Vogelperspektive. Das Dreibeinstativ befestigte ich mit einem Bein auf dem Fenstersims, das zweite Bein legte ich auf einem Regal ab – und das dritte Bein klebte ich mit GaffaTape an einem Pfosten fest, der in der Mitte des Zimmers stand. Das Kamerabild spiegelte ich auf dem Tablet – nun konnte ich mich sehen. Während die Kamera mit dem schweren 35-mm-Objektiv zwei Meter direkt über meinem Kopf hing, schaute ich auf das Tablet und richtete alles zurecht. Als Licht nahm ich ein auf 2700 K eingestelltes Nanlite.
Ich bin großer Fan von den Licht- und Schattenspielen Rembrandt’s und Caravaggio’s – was sich viel in meinen Fotoarbeiten widerspiegelt. Deshalb entschied ich mich dafür, nur dieses eine Licht zu verwenden, und drapierte es am Fenstersims, um sanften Mondlichteinfall in der Nacht zu simulieren. Mir war klar: Eine Darstellung von Männlichkeit in dieser Form ist nicht üblich. Und genau deshalb wollte ich es so machen. Denn mir geht das „hart, cool und lustig sein“ zu müssen in der Gesellschaft schon seit vielen Jahren richtig auf den Keks.
Das Foto bekam den Titel „Seelenöffner“. Ich hatte über 12 Stunden daran gearbeitet – und war noch nie so zufrieden mit einem fotografischen Ergebnis. Dass es dann mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde, war für mich eine besondere Ehre.
Das Bild habe ich nach der Ausstellung bewusst nicht veröffentlicht. Ich wollte es für etwas Besonderes aufsparen. Dass ich dann Jahre später ein Buch veröffentliche, wo dieses Foto so gut thematisch passt, schließt einen Kreis. Und das fühlt sich jetzt richtig gut an.