Monat: April 2025

  • Heute in der Spielstraße

    Ich gehe zu Fuß, ein SUV kommt mir deutlich zu schnell
    entgegen. Ich mache eine ruhige Geste mit der Hand: „Bitte langsamer.“
    Er bremst, reißt die Tür auf, brüllt mich an, zeigt auf den
    Boden, sagt, ich hätte „auf der Straße nichts verloren“ – und
    nennt mich Arschloch.

    Ich sage ruhig (obwohl mein Herz rast): Das ist eine
    verkehrsberuhigte Zone. Fußgänger haben Vorrang.
    Schrittgeschwindigkeit.
    Er fährt wutentbrannt weiter.

    Ich hab’ sein Kennzeichen leider nicht komplett behalten –
    aber was hängen bleibt, ist dieser geballte Frust, diese
    plötzliche Aggression, dieser blanke Hass.

    Und ich frage mich:
    Wann hat dieser Mann das letzte Mal geweint?
    Wer hat ihn zuletzt umarmt – wirklich, liebevoll, ehrlich?
    Wer hat ihm beigebracht, dass Wut keine Lösung ist und
    andere kleinzumachen, kein Zeichen von Stärke?

    Vielleicht hätte ihm jemand früher beibringen sollen, wie man
    über Gefühle spricht. Vielleicht hätte ein Vater, der nicht
    selbst emotional abstumpfen musste, ihm zeigen können, dass
    Verletzlichkeit kein Makel ist.

    Aber das ist das, was das Patriarchat oft hinterlässt:
    Männer, die nie gelernt haben, anders mit Schmerz
    umzugehen als mit Lautstärke.

    Und nein – das lasse ich mir nicht gefallen.

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